2023 – Ausstellung Baumpflege

Dein Freund der Baum

Was man Bäumen antun darf und was nicht
Baumpflege – aber richtig!

Bäume kommen ohne Menschen aus, aber Menschen nicht ohne Bäume. Seit etwa 200 Millionen Jahren gibt es Bäume, seit 200 Tausend Jahren den Menschen, Städte seit 10 Tausend Jahren. Der Baum muss im urbanen Bereich an die Bedürfnisse der Menschen angepaßt werden: Standfestigkeit, Lichtraumprofil, Astreinigung.

Was im Urwald nichts macht, muss in der Stadt verhindert werden: Dass der Baum kippt, ein Ast abfällt oder der Baum den Straßenverkehr behindert. Dafür muss der Baum geschnitten werden – aber wie, darum geht es in dem Vortrag von Alexandra Rainer und Andreas Krezmar. Ziel ist verantwortungsbewußteres und art/fachgerechtes Umgehen mit Bäumen in der Stadt. Baumpflege bedeutet Aufwand aber ist notwendig, um Bäume hoch und alt werden zu lassen. Denn Baumerhalt ist wichtiger als Neupflanzungen, so nötig auch diese sind. Um eine 100 jährige Buche zu ersetzen, benötigt es 2000 junge Bäume (Kronenvolumen 1m³).

Warum sind große Bäume in der Stadt so wichtig?

Stadtbäume tragen zu einer höheren Luftqualität bei (Filterung von Schadstoffen)

Stadtbäume regulieren die Temperatur und sorgen für kühlere Temperaturen im Sommer (verbessern das Mikroklima)

– Stadtbäume reduzieren Windgeschwindigkeiten (Zunahme von Extremwetterereignissen im Zuge des Klimawandels)

– Stadtbäume mindern die Lärmbelastung

– Stadtbäume reduzieren den Regenwasserabfluss

– Stadtbäume wirken sich positiv auf den CO²-Haushalt aus (Ozonbelastung, Speicherung von Kohlenstoff)

– Stadtbäume beeinflussen psychologische und physiologische Erkrankungen positiv.

Stadtbäume können nur durch vorausschauende Erziehung und Pflege und regelmäßige Baumkontrollen groß und alt werden. Dafür muss man etwas von Baumbiologie verstehen. Immer noch werden Kardinalfehler beim Schnitt gemacht: Stummelschnitt, Stark-Ast-Schnitt über 5-10 cm Ø und Kappung. Ein Aststummel kann nicht mehr versorgt werden, Pilze dringen ein und zerstören den Baum von innen. Immer wieder sieht man an Straßen viel zu dicke Äste gekappt. Das wurde wegen dem berühmten Lichtraumprofil gemacht – auch LKWs sollen ungehindert an Bäumen vorbeikommen. Äste dürfen daher nicht tiefer als 4,5m auf die Straße ragen. Um das Schneiden viel zu dicker Äste zu verhindern kommt die vorausschauende Baumpflege ins Spiel: Die Bäume müssen noch in jungem Alter hochgeastet werden. In den ersten Jahren nach dem Setzen sollten die untersten Äste nach und nach weggeschnitten werden. Da es sich um Äste von höchstens 5cm handelt, kein Problem für den Baum. Neupflanzungen mögen hübsch aussehen, aber die ZTV Baumpflege sagt: weg mit den untersten Ästen bevor sie zu dick werden! Kappung passiert, weil Bäume zu hoch werden. Damit verhungern die Wurzeln, der Baum wird zur Gefahr. In der Fachwelt ist Kappung der Krone seit Anfang unseres Jahrtausends ein no go!

Obwohl jeder Baum anders wächst ist es möglich den fachgerechten Umgang mit Bäumen in (DIN) Normen und Regelwerken zu beschreiben. Sie zeigen den aktuellen Stand der Wissenschaft und die Erfahrungen der Praxis. Die ZTV-Baumpflege z.B. hilft dem Baumbesitzer bei der Leistungsbeschreibung, Überwachung und Abnahme der Baumpflege. Sie macht es möglich die Fachbegriffe auch für Laien verständlich zu nutzen und zeigt der Fachperson den Rahmen des beautragten Eingriffs.

Fachgerechte Baumpflege ist ein lohnender Aufwand, wir können unseren Nachfahren mehr alte Bäume hinterlassen, denn wie Andreas Roloff in dem Buch „Baumpflege“ so schön sagt: „Bäume … sorgen für Erholungsmöglichkeiten in der Stadt, schaffen das Erlebnis von Jahreszeiten und sind für die Gesundheit und Wohlbefinden gestresster Stadtmenschen von unschätzbaren Wert.“